30.01.2016 SANKT AUGUSTIN. Mitarbeiter und Förderer der Sankt Augustiner Jugendhilfe machen sich für ein neues Streetwork-Mobil stark.

Wie schwer der Abschied vom Streetwork-Mobil fällt, das zeigt schon die Anzahl der Gäste, die sich zum Abschiednehmen im Büro des Beigeordneten Marcus Lübken versammelt hatten. Das waren neben der Vorsitzenden des Vereins zur Förderung der städtischen Jugendeinrichtungen, Anne-Katrin Silber-Bonz, der Vereins-Geschäftsführer Andreas Kernenbach, die Fachbereichsleiterin Kinder, Jugend und Schule, Sandra Clauß, und die beiden Streetworker Jessica Linden und Klaus Grätz.

 

Sie alle hatten sich versammelt, um den Stellenwert des Mobils in der Sozialarbeit auf der Straße zu betonen. Das alte Modell musste zum Jahresende 2015 wegen irreparabler technischer Mängel von der Straße genommen werden. Die Jugendhilfevertreter sind jedoch der Meinung, dass die Lücke, die mit der Ausmusterung entstanden ist, dringend wieder geschlossen werden muss. 20 000 Euro stehen dafür im Haushaltsplan, und alle sind sich einig, dass diese Mittel dort auch auf jeden Fall bleiben müssen, um dann mit zusätzlichen Spenden einen straßentauglichen Ersatz zu finden.

 

Die Streetworker gibt es in Sankt Augustin schon seit 1999. „Das war die Zeit der Spätaussiedler aus Kasachstan und Sibirien, die im öffentlichen Raum viele Partys feierten“, erinnert sich die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Silber-Bonz. Vor diesem Hintergrund habe man später dann auch die Schutzhütte für Jugendliche unter dem Titel „Betreten erlaubt“ aufgestellt. Einige Jahre später stiftete die Städte- und Gemeindestiftung der Kreissparkasse Köln 10 000 Euro für die Jugendarbeit und das war das Kapital, mit dem der Fiat Ducato Baujahr 1995 als Streetworkmobil angeschafft wurde.

„Wir haben ihn zunächst neu lackiert, denn schließlich sollte das Mobil auffallen“, erinnert sich Kernenbach. Seitdem kennt jeder das Fahrzeug, welches für Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren neuen Raum schaffte. Es war Beratungsort und Zufluchtsstätte und hat in den letzen Jahren einen geschützten Raum für all diejenigen geboten, die nicht zu den Jugendzentren oder anderen Beratungsstellen der Stadt gegangen sind.

 

„Das Mobil ist eine tolle Bereicherung der offenen Jugendarbeit und ein langer Prozess des regelmäßigen Anfahrens“, beschreibt Kernenbach die Wichtigkeit dieses Bausteins. Noch sei die neue Herausforderung – die Arbeit mit jugendlichen Flüchtlinge nicht bei den Streetworkern angekommen, meint Kernenbach. Derzeit sei man in der Phase, in der man die Unterkünfte in Gruppen bewandere. Das werde sich jedoch noch ändern. Wie wichtig das Mobil schon jetzt ist, weiß Streetworkerin Jessica Linden. „Wir hatten bei kräftigen Orkanböen auch schon bis zu 17 Jugendliche im Fahrzeug.“

 

Erst ab 13 Jahren hat man Zutritt zu dem umgebauten Campingwagen, und da baue sich der Wunsch, endlich die Stufen zur mobilen Zuflucht betreten zu dürfen, bei den jüngeren Kindern über die Jahre auf. „Die freuen sich sehr darauf und zählen die Wochen und Monate, bis sie endlich rein dürfen“, berichtet Linden. Natürlich sei man verhandlungsbereit und lasse kurze Besichtigungen auch vorher mal zu. „Es ist schwer vorstellbar, dass alle, die für Kinder und Jugendliche sprechen, das Mobil nicht als notwendig ansehen“, formuliert Lübken die Forderung aller, die finanziellen Mittel nicht aus dem Haushalt zu streichen. Im Kinder- und Jugendförderplan der Stadt aus dem Jahr 2014 sei das Mobil fester Bestandteil.

 

„Ich hege daher Zweifel an der Freiwilligkeit dieses Angebotes“, meint Lübken. Ohnehin bekomme die Arbeit auf der Straße nochmal einen anderen Wert durch die Flüchtlingsarbeit, und damit gewinne auch das Mobil an Bedeutung, glaubt Silber-Bonz.

 

Sponsoren werden dringend benötigt, denn selbst wenn der Betrag für ein gebrauchtes Wohnmobil ausreichen sollte – die Ausstattung mit Satellitenschüssel, Außenbestuhlung, Fahrradträger, Laptop mit WLAN oder Marktschirm und Festzeltgarnitur muss durch Spenden finanziert werden. (Martina Welt)

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